Even G2 · Design, Optik, Fertigung
Kein Massenprodukt.
Ein Stück Gerätebau.
In der Berichterstattung stehen Smart Glasses meist nebeneinander: die für unter hundert Franken und die, an denen jahrelang konstruiert wurde. Diese Seite zeigt, was in der Even G2 tatsächlich steckt – Display, Material, Optik, Auszeichnungen. Und sie nennt, wo die Kritik der Fachpresse recht hat.
Die Even G2 ist eine Brille, in der ein Micro-LED-Waveguide-Display sitzt: 640 × 350 Pixel, 60 Hz, 1'200 Nits, einfarbig, sichtbar nur für die tragende Person. Die Front ist aus Magnesium, die Bügel sind aus Titan, das Ganze wiegt 35 Gramm und nimmt Korrekturgläser von −12.00 bis +12.00 Dioptrien auf.
Das ist kein Zubehör, das man nebenbei entwickelt. Es ist der Versuch, ein optisches Gerät zu bauen, das man den ganzen Tag trägt, ohne dass es auffällt – und dafür wurde weggelassen, was auffällt: Kamera, Lautsprecher, Farbe, Glanz.
Das Display
Ein Bild im Glas,
das niemand sonst sieht.
Die schwierigste Aufgabe beim Bau einer solchen Brille ist nicht die Software. Es ist, Licht in ein Brillenglas zu bringen, ohne dass das Glas wie ein Bildschirm aussieht.
Waveguide statt Bildschirm
Das Bild wird nicht auf eine Scheibe projiziert, sondern durch das Glas geführt. Deshalb leuchtet nach aussen nichts, und deshalb bleibt die Fassung so schlank wie bei einer gewöhnlichen Brille.
640 × 350, 60 Hz, 1'200 Nits
Genug Auflösung für Fliesstext, genug Helligkeit für den Aussenraum. Kein Video, keine Fotos – die Anzeige ist auf Lesbarkeit ausgelegt, nicht auf Unterhaltung.
Einfarbig, mit Absicht
Farbe würde mehr Strom, mehr Bauraum und mehr Aufmerksamkeit kosten. Ein einfarbiges Display ist unauffälliger, hält länger und ist beim Lesen ruhiger. Es ist eine Entscheidung, kein Sparprogramm.
Nur für Sie
Der Blickwinkel ist so ausgelegt, dass die Anzeige der tragenden Person gehört. Ihr Gegenüber sieht ein Brillenglas – nicht Ihre Notizen und nicht Ihre Nachrichten.

Magnesium vorne,
Titan an den Bügeln.
Magnesium ist steif und extrem leicht – es hält die Optik in Position, damit das Display dort bleibt, wo es hingehört. Titan an den Bügeln nimmt das Biegen auf, das eine Brille jeden Tag aushalten muss. Zusammen 35 Gramm, also im Bereich einer gut gemachten Korrekturbrille.
Dazu Schutzart IP65 gegen Staub und Spritzwasser, geprüfte Fallhöhe und ein Scharnier, das auf zehntausende Zyklen ausgelegt ist. Nichts davon sieht man. Man merkt es erst nach dem dritten Monat.
Material und Handwerk im DetailOptik
Eine Brille zuerst.
Von −12.00 bis +12.00.
Die G2 nimmt Korrekturgläser über einen ungewöhnlich weiten Bereich auf: von −12.00 bis +12.00 Dioptrien, als Einstärke oder als Gleitsicht. Die Gläser werden nach Ihrem Rezept gefertigt und auf die Lage des Displays abgestimmt – eine Gleitsichtbrille mit Anzeige ist optisch deutlich anspruchsvoller als eine ohne.
Das ist der Punkt, der die G2 von Geräten unterscheidet, die man sich zusätzlich aufsetzt: Sie ersetzt die Brille, die Sie ohnehin tragen. Wer beides gleichzeitig tragen müsste, würde es nach einer Woche lassen.
Auszeichnungen
Zweimal bestätigt,
von aussen.
Design-Auszeichnungen sind kein Qualitätsbeweis, aber sie sind ein unabhängiges Urteil. Für Even Realities lassen sich zwei belegen:
- iF Design Award für die Even Realities G2 Series – eine der grössten Designauszeichnungen weltweit.
- Good Design Award 2025 für die Vorgängerin Even G1 – die älteste Designauszeichnung Japans.
Wir nennen hier nur, was sich nachprüfen lässt, und verlinken die Quelle. Wenn Ihnen anderswo eine dritte Auszeichnung begegnet, fragen Sie uns – wir sagen Ihnen, ob wir sie belegen können.
Die Fachpresse
Was gelobt wird –
und was kritisiert wird.
Wir fassen zusammen, was internationale Testberichte schreiben, in unseren eigenen Worten und mit Link zum Original. Auch das Unangenehme.
Was gelobt wird
Dass die Brille von aussen wie eine Brille aussieht und nicht wie ein Gerät. Dass die Software ernsthaft ist und nicht als Demo endet. Dass sie den Griff zum Telefon tatsächlich ersetzt. Dass sie ohne Kamera auskommt – und dass genau das in der heutigen Debatte der Unterschied ist.
Was kritisiert wird
Dass sie keinen Lautsprecher hat, also keine Musik und keine Telefonie. Dass das Display einfarbig ist und keine Bilder zeigt. Dass sie ein Smartphone braucht. Und dass sie nicht billig ist. Alle vier Punkte stimmen.
Was wir dazu sagen: Die vier Kritikpunkte sind keine Versäumnisse, sie sind dieselbe Entscheidung in vier Formen. Kein Lautsprecher heisst, dass nichts in den Raum dringt – genau wie keine Kamera bedeutet, dass nichts aufgenommen wird. Einfarbig heisst länger Akku und weniger Aufmerksamkeit. Die Abhängigkeit vom Telefon heisst, dass die Brille leicht bleiben darf.
Wer die G2 als Mediengerät misst, misst das Falsche und kommt zu Recht zu einem mässigen Ergebnis. Wer sie als Brille misst, die zusätzlich lesen lässt, kommt zu einem anderen. Beides sind faire Massstäbe – nur nicht derselbe.
Originalberichte: Wareable · TechRadar · 9to5Google · Android Police
Warum das hier zählt
In der Schweiz kauft man
nicht das Neueste.
Man kauft das, was in drei Jahren noch gut aussieht, noch funktioniert und noch repariert werden kann. Genau deshalb ist die Bauweise der G2 hier das stärkere Argument als jede Funktionsliste: Metall statt Kunststoff, Schrauben statt Klebstoff, ein Scharnier, das auf Dauer ausgelegt ist, und eine Fassung, die man nachjustieren lassen kann, statt sie zu ersetzen.
Dazu kommt das Zweite, das in Zürich zählt: Sie macht keine Aussage über Sie. Niemand sieht ihr an, was sie kostet oder was sie kann. Wer sie trägt, erklärt nichts und rechtfertigt nichts. Das ist in dieser Stadt kein Nebeneffekt, das ist der Grund, warum sie funktioniert.
Warum ohne Kamera · Die Kritik, Punkt für Punkt · Warum bei uns
Häufige Fragen
Technik und Design.
Warum ist das Display nur einfarbig?
Weil Farbe mehr Strom, mehr Bauraum und mehr Aufmerksamkeit kostet. Für Text, Übersetzung, Navigation und Notizen bringt sie nichts. Einfarbig heisst: leichter, länger, unauffälliger.
Warum hat die G2 keinen Lautsprecher?
Damit nichts in den Raum dringt. Es ist dieselbe Überlegung wie beim Verzicht auf die Kamera: Was andere im Raum betrifft, wurde weggelassen. Für Musik und Telefonie bleibt Ihr Telefon zuständig.
Wie hell ist das Display draussen?
Mit 1'200 Nits ist es für den Aussenraum ausgelegt. Bei direkter Mittagssonne auf hellem Grund wird jede Anzeige anspruchsvoll – am besten prüfen Sie das im Showroom, dort gehen wir mit Ihnen vor die Tür.
Welche Sehstärken sind möglich?
Von −12.00 bis +12.00 Dioptrien, als Einstärke ab CHF 169.– oder als Gleitsicht ab CHF 799.–, gefertigt nach Ihrem aktuellen Rezept und auf das Display abgestimmt.
Ist die Brille robust genug für den Alltag?
Magnesiumfront, Titanbügel, Schutzart IP65 gegen Staub und Spritzwasser, ein auf Dauer ausgelegtes Scharnier. Eine Brille bleibt eine Brille – aber sie ist gebaut, um getragen zu werden, nicht um geschont zu werden.
Welche Auszeichnungen hat die Even G2 wirklich?
Belegen können wir den iF Design Award für die Even Realities G2 Series und den Good Design Award 2025 für die Vorgängerin Even G1. Beide Quellen sind oben verlinkt. Weitere Auszeichnungen nennen wir erst, wenn wir sie belegen können.
Material versteht man mit den Händen.
Zehn Minuten am Zeltweg 74: aufsetzen, das Gewicht spüren, den Text im Glas lesen, das Scharnier bewegen. Danach brauchen Sie keine Datenblätter mehr.