Ein Gast in unserem Showroom an der Zeltweg 74 hielt uns letzte Woche die Speisekarte eines italienischen Restaurants vors Gesicht und fragte, ob die Brille ihm jetzt einfach anzeigen würde, was «Vitello tonnato» bedeutet, wenn er nur draufschaut. Wir mussten ihn kurz bremsen — und zwar aus einem Grund, der mit der Even G2 selbst zu tun hat, nicht mit einer Softwaregrenze.
Kurze Antwort: Nein, nicht auf diese Weise. Die Even G2 hat keine Kamera — das ist bei diesem Gerät bewusst so gewählt, unter anderem aus Datenschutzgründen. Ohne Kamera kann kein System ein Bild von einem Schild oder einer Speisekarte aufnehmen und daraus Text erkennen. Was die G2 tatsächlich übersetzt, ist gesprochene Sprache: Sie hört über das Mikrofon zu und zeigt die Übersetzung des Gesagten auf den Linsen an. Für «Kamera drauf, Text erscheint übersetzt» braucht es ein Gerät mit Kamera — zum Beispiel die Ray-Ban Meta oder eine Kamera-Übersetzungs-App auf dem Telefon.
Warum das kein Software-Detail ist, sondern eine Design-Entscheidung
Es lohnt sich, kurz zu erklären, warum wir das so klar sagen, statt es zu beschönigen. Die Even G2 gehört zu einer Kategorie von KI-Brillen, die bewusst ohne eingebaute Kamera gebaut sind. Das hat einen echten Vorteil: Niemand im Raum muss sich fragen, ob gerade heimlich gefilmt oder fotografiert wird — ein Punkt, der uns in Gesprächen über den Einsatz am Arbeitsplatz oder in Meetings immer wieder begegnet. Der Preis dieser Entscheidung ist aber genauso real: Ohne Kamera gibt es kein Bild, aus dem eine Texterkennung (OCR) den gedruckten Text eines Schilds oder einer Speisekarte herauslesen könnte. Das ist keine Funktion, die «noch fehlt» oder per Update nachgereicht wird — sie ist mit der Hardware-Entscheidung «kein Sensor» physisch ausgeschlossen.
Genau deshalb ärgert es uns, wenn Marketingmaterial von KI-Brillen allgemein suggeriert, «Übersetzung» sei überall dasselbe Feature. Es gibt mindestens zwei ganz verschiedene Aufgaben, und ein kameraloses Gerät kann strukturell nur eine davon lösen.
Was die Even G2 tatsächlich übersetzt
Die Live-Übersetzung der G2 läuft über das eingebaute Mikrofon: Jemand spricht, das System erkennt die gesprochene Sprache über eine Cloud-Verbindung, und die Übersetzung erscheint als Text auf den Linsen. Das funktioniert gut für ein Gespräch am Tisch, an der Rezeption oder in einer Beratungssituation — dort, wo Sprache das Medium ist. Es funktioniert nicht für gedruckten Text, den niemand vorliest. Wenn der Kellner Ihnen das Gericht erklärt, hilft die G2. Wenn Sie selbst die gedruckte Karte lesen wollen, hilft sie nicht — dort ist niemand, der spricht, es gibt nur Buchstaben auf Papier.
Was tatsächlich für Schilder, Menüs und gedruckten Text funktioniert
Wenn visuelle Textübersetzung das ist, was Sie eigentlich brauchen, gibt es zwei ehrliche Wege dorthin — beide erfordern eine Kamera:
- Eine Smartphone-App mit Kamera-Übersetzung (etwa Google Übersetzer oder vergleichbare Apps): Kamera aufs Schild oder die Karte halten, der übersetzte Text wird direkt im Kamerabild eingeblendet. Für die meisten Situationen die pragmatischste und heute schon zuverlässig verfügbare Lösung — das Telefon haben Sie ohnehin dabei.
- Kamera-basierte KI-Brillen wie die Ray-Ban Meta: Diese Geräte haben eine eingebaute Kamera und sind für genau dieses «anschauen und erkennen» konzipiert. Dafür geben Sie die Kamera-freie Eigenschaft auf, die bei der G2 der Kernvorteil ist — mit allem, was eine Kamera an Fragen zu Aufnahmefähigkeit und Diskretion gegenüber anderen mit sich bringt.
Wir nennen hier keine Genauigkeitswerte für Kamera-Übersetzungs-Apps oder andere Hersteller — das sind Produkte ausserhalb unseres Angebots, und wir bewerten sie nicht im Detail. Der Punkt ist die Funktionskategorie, nicht ein Ranking.
Der eigentliche Unterschied: zwei verschiedene Übersetzungsaufgaben
Es hilft, die beiden Aufgaben sauber zu trennen, weil «Übersetzung» als Wort beide Fälle abdeckt, obwohl sie technisch nichts miteinander zu tun haben:
| Aufgabe | Was gebraucht wird | Even G2 (kameralos) |
|---|---|---|
| Jemand spricht (Gespräch, Durchsage, Vortrag) | Mikrofon + Cloud-Spracherkennung | Ja, Kernfunktion |
| Gedruckter Text (Schild, Speisekarte, Verpackung) | Kamera + Bilderkennung (OCR) | Nein, keine Kamera |
| Bildschirmtext (fremdsprachige Website, App) | Kamera oder direkter Screenshot-Zugriff | Nein, keine Kamera |
Übersicht zur Einordnung, keine Herstellerangabe. Zur Live-Übersetzung selbst — Sprachen, Ablauf, Grenzen bei Lärm oder Dialekten — siehe unsere Übersicht zur Übersetzungsfunktion.
Ein naheliegender Umweg, den wir trotzdem ehrlich einordnen
Manche fragen uns, ob man die Speisekarte nicht einfach laut vorlesen lassen könnte, damit die G2 sie über das Mikrofon «hört» und übersetzt. Technisch könnte das im Einzelfall funktionieren, wenn jemand den Text vorliest — dann ist es aber wieder der Sprachfall, nicht der Textfall, und in einem Restaurant eher unpraktisch, wenn Sie sich selbst die Karte laut vorlesen müssten. Das ist keine Funktion, die wir empfehlen; wir erwähnen sie nur, damit klar ist, warum die Grenze technisch dort verläuft, wo sie verläuft: bei der Kamera, nicht beim Mikrofon.
So: kaufen, verzichten oder anders kombinieren?
Kaufen Sie die Even G2, wenn Ihr Hauptbedarf gesprochene Sprache ist — Gespräche, Beratung, Reisen, bei denen jemand mit Ihnen spricht. Dort ist sie diskret, freihändig und genau für diesen Zweck gebaut.
Verzichten Sie, wenn Ihr Hauptgrund «Schilder und Speisekarten im Blickfeld übersetzen» ist — das kann die G2 strukturell nicht, unabhängig von künftigen Software-Updates.
Kombinieren Sie realistischerweise: die G2 für Gespräche, eine Kamera-Übersetzungs-App auf dem Telefon für gedruckten Text. Das ist ehrlicherweise die Lösung, die die meisten Reisenden ohnehin schon nutzen, nur eben mit besserer Diskretion beim Sprachteil. Wer stattdessen ein einziges Gerät für beides sucht, sollte sich gezielt kamerabasierte Modelle ansehen — mehr dazu und zum generellen Funktionsvergleich in unserer KI-Brillen-Datenbank.
Offenlegung: AI-Eyewear ist der autorisierte Schweizer Reseller von Even Realities. Wir sagen hier lieber deutlich «das kann sie nicht», als eine Erwartung zu wecken, die das Gerät nicht erfüllen kann — testen Sie die Sprachübersetzung selbst gern im Showroom Zürich.