Es ist kurz nach elf, das Licht ist aus, und Sie wollen nur noch schnell eine eingegangene Nachricht vorlesen lassen, bevor Sie das Handy weglegen. Neben Ihnen schläft jemand. Die Frage, die in diesem Moment zählt, steht in keinem Datenblatt: Hört die Person die Stimme aus Ihrer Brille — und wenn ja, wie deutlich? Genau darum geht es hier, und die Antwort hängt weniger an der Brille als an dem Raum, in dem Sie sitzen.
Kurze Antwort: Die Even G2 nutzt offene Lautsprecher, keine abdichtenden Ohrstöpsel. Der Ton ist auf Ihr Ohr gerichtet, aber er ist nicht schalldicht — ein Teil entweicht in die Luft. In lauter Umgebung (Strasse, Verkehr, volles Café) geht dieses Leck im Grundrauschen praktisch unter und niemand versteht etwas. In einem stillen Raum oder bei hoher Lautstärke kann eine Person direkt neben Ihnen ein leises, oft blechernes Mithören wahrnehmen — nicht unbedingt Wort für Wort, aber genug, um zu merken, dass da Sprache läuft. Wollen Sie etwas wirklich privat hören, drehen Sie leiser, weichen Sie für Vertrauliches auf Ohrhörer am Handy aus, oder lesen Sie es stumm auf dem Display. Wir haben keine Dezibel gemessen; dies ist eine ehrliche Einordnung, kein Laborwert.
Warum offene Lautsprecher überhaupt lecken
Ein klassischer In-Ear-Kopfhörer dichtet den Gehörgang ab und hält den Schall dort, wo er hingehört. Open-Ear-Audio macht bewusst das Gegenteil: Es lässt Ihr Ohr frei, damit Sie die Umgebung, Gespräche und den Verkehr weiter hören. Der Preis dafür ist Physik, nicht ein Konstruktionsfehler — Schall, der in die offene Luft neben dem Ohr abgestrahlt wird, bleibt nicht magisch nur in Ihrem Ohr. Ein Teil breitet sich aus, und wer nahe genug ist, fängt ihn auf.
Zwei Regler entscheiden, wie viel davon ankommt. Der erste ist die Lautstärke: Je lauter Sie drehen, desto mehr Ton entweicht, und der Zusammenhang ist steil — die letzten paar Stufen machen aus einem unhörbaren Flüstern ein deutliches Mithören. Der zweite ist das Grundrauschen des Raums. Auf einer Strasse übertönt der Verkehr das Leck mühelos; in einem stillen Sitzungszimmer gibt es nichts, hinter dem es sich verstecken könnte. Deshalb ist «hört man das mit?» keine feste Ja/Nein-Eigenschaft der Brille, sondern eine Frage der Situation.
Situation für Situation
So verhält sich das offene Audio aus Sicht der Menschen um Sie herum. «Umgebungsgeräusch» ist der Lärmpegel, der Ihr Leck maskiert; je höher, desto privater sind Sie unfreiwillig.
| Situation | Umgebungsgeräusch | Mithören durch andere? |
|---|---|---|
| Belebte Strasse, Verkehr, Zug im Betrieb | Hoch | Praktisch nein |
| Café oder Restaurant mit Stimmengewirr | Mittel bis hoch | Kaum, geht unter |
| Grossraumbüro, normale Lautstärke | Mittel | Möglich für den Sitznachbarn |
| Ruhiges Zweiergespräch, Besprechungsraum | Niedrig | Möglich bei höherer Lautstärke |
| Stiller Lesesaal, Ruheabteil, Wartezimmer | Sehr niedrig | Ja, ein leises Leck ist hörbar |
| Schlafzimmer nachts, jemand direkt daneben | Sehr niedrig | Ja, für Personen ganz nah |
Diese Tabelle beruht auf der Funktionsweise offener Lautsprecher und unserer Erfahrung im Showroom, nicht auf einer Dezibel-Messung von AI-Eyewear. Ihr eigener Eindruck hängt von Lautstärke, Raum und Abstand ab — testen Sie es im Zweifel selbst.
Was andere tatsächlich hören
Wichtig ist der Unterschied zwischen «etwas hören» und «alles verstehen». Selbst in einem stillen Raum nimmt eine Person neben Ihnen meist kein sauberes, verständliches Gespräch wahr, sondern ein leises, eher blechernes Rinnsal von Sprache — genug, um zu merken, dass da etwas läuft, selten genug, um es Wort für Wort mitzuschreiben. Das ist ein realer Unterschied: Für die meisten Alltagssituationen ist die relevante Sorge weniger «jemand belauscht mein Geheimnis» als «es ist ein bisschen peinlich oder störend, dass da eine Stimme aus meinem Kopf leckt». Für alles, was wirklich vertraulich ist, sollten Sie sich aber nicht auf diese Unschärfe verlassen — dazu gleich mehr.
Was zuverlässig gegen Mithören hilft
Sie müssen die Brille deshalb nicht anders behandeln als jeden anderen Lautsprecher am Körper — ein bisschen Situationsbewusstsein reicht.
- Lautstärke senken. Der grösste Hebel, mit Abstand. Weil das Leck mit der Lautstärke steil zunimmt, verschwindet es oft schon ein, zwei Stufen leiser fast vollständig — und in einem stillen Raum reicht meist erstaunlich wenig, um selbst gut zu hören.
- Für Vertrauliches auf Ohrhörer ausweichen. Die offenen Lautsprecher sind konstruktionsbedingt offen — das lässt sich nicht wegdrehen. Wenn Sie etwas wirklich privat hören müssen, koppeln Sie für diesen Ton Ohrhörer mit Ihrem Handy. Das ist die ehrliche Grenze der Technik, kein Umweg.
- Auf das Display statt auf den Ton setzen. Der oft übersehene Vorteil einer Display-Brille: Benachrichtigungen und Übersetzungs-Untertitel können Sie stumm auf dem Glas lesen, statt sie sich vorlesen zu lassen. Kein Ton, kein Leck — und in einer Sitzung ohnehin diskreter.
- Den Raum lesen. Im Zug-Grossraum, im Lesesaal oder neben einem schlafenden Menschen kurz innehalten und leiser drehen oder auf Text wechseln. Dieselbe Höflichkeit, die Sie ohnehin bei einem Telefonat anwenden würden.
- Vor sensiblen Momenten testen. Lassen Sie eine Person auf Armlänge neben sich stehen und sagen, was sie bei Ihrer üblichen Lautstärke mitbekommt. Zwei Minuten, und Sie kennen Ihr persönliches Leck genauer als jede Tabelle.
Also: kaufen, verzichten oder vorher testen?
Mit gutem Gewissen kaufen, wenn Sie die Brille vor allem unterwegs, im Café, im Auto oder im normal belebten Alltag nutzen. Dort maskiert das Grundrauschen das Leck, und die offenen Lautsprecher spielen ihren eigentlichen Vorteil aus: Sie hören die Welt weiter und sind trotzdem für Ihre Umgebung praktisch unhörbar.
Zweimal überlegen sollten Sie, wenn Ihr Hauptzweck das Hören von Audio in stillen, geteilten Räumen ist — im ruhigen Grossraumbüro, in Bibliotheken, in vertraulichen Gesprächen. Es geht mit reduzierter Lautstärke oder auf dem Display, aber wenn lautes, privates Audio in Stille Ihr eigentlicher Anwendungsfall ist, ist eine offene Brille dafür schlicht das falsche Werkzeug.
Vor dem Kauf testen sollten Sie genau diesen Punkt, denn er lässt sich nicht aus einer Zahl ablesen. Setzen Sie die Brille im Showroom in Zürich auf und lassen Sie jemanden neben sich beurteilen, wie viel bei Ihrer Lautstärke ankommt. Wollen Sie das Thema in den grösseren Datenschutz-Kontext stellen, ordnet unser Beitrag Datenschutz bei KI-Brillen die kamerafreie Bauweise und die Cloud-Fragen ein; die technischen Daten aller Modelle stehen in der KI-Brillen-Datenbank.
Offenlegung: AI-Eyewear ist der autorisierte Schweizer Reseller von Even Realities. Wir haben das akustische Leck so ehrlich beschrieben, wie wir es einordnen können — ohne eigene Dezibel-Messung und ohne die Bequemlichkeit offener Lautsprecher schönzureden.