Irgendwo unter dem Gotthard bleibt der blaue Pfeil einfach stehen. Der Hinweis in den Gläsern friert mitten im Abbiegebefehl ein, weil das die letzte Information war, die das Handy hatte, bevor der Berg das Signal geschluckt hat. Das ist kein Fehler der Brille — das ist Physik, und man sollte sie verstehen, bevor man einem Head-up-Display durch einen Pass oder einen langen Tunnel vertraut.
Kurz gesagt: Die Even G2 hat weder SIM- noch eSIM-Karte — und, soweit die veröffentlichte Architektur zeigt, auch keinen eigenen GPS-Chip. «Navigate» spiegelt lediglich die Abbiegehinweise, die die Kartenapp auf dem gekoppelten Handy ohnehin berechnet, und schickt sie per Bluetooth an die Brille. Die Navigation auf der Brille ist also genau so gut — und genau so anfällig — wie die Navigation auf dem Handy in diesem Moment. Wo das Handy sein Signal oder seine Position verliert, verliert die Brille sie auch.
Zwei verschiedene Probleme, die oft verwechselt werden
«Kein Signal» steckt eigentlich zwei getrennte Probleme, und die brauchen unterschiedliche Lösungen.
Das erste ist der Verlust der GPS-Position: Der Chip im Handy braucht freie Sicht zu den Satelliten, und Fels, Beton und Stahl blockieren das vollständig. Im Gotthard-Strassentunnel, in einer Tiefgarage oder in einer engen Schlucht mit Felswänden auf beiden Seiten weiss das Handy schlicht nicht, wo es ist. Manche Handys schätzen die Position dann anhand der letzten bekannten Geschwindigkeit und Richtung weiter («Koppelnavigation»), weshalb ein Hinweis manchmal seltsam wandert, statt einfach zu verschwinden.
Das zweite ist der Verlust von Mobildaten oder WLAN: Die Kartenapp muss unter Umständen Kartenkacheln, Verkehrsdaten oder eine neu berechnete Route aus dem Internet laden. Das passiert in abgelegenen Tälern mit schwachem Empfang, an der Grenze mit einer ausländischen SIM-Karte im Roaming oder einfach dort, wo kein Sendemast in Reichweite ist. Ein Handy kann eine perfekte GPS-Position haben und trotzdem nicht navigieren können, wenn es das Netz nicht erreicht, um die Karte zu laden.
Beide Ausfälle sehen für Sie gleich aus — der Hinweis in der Brille pausiert oder wird veraltet —, aber nur einer davon lässt sich im Voraus vorbereiten.
Wo das in der Schweiz tatsächlich passiert
Die Schweiz ist voll von genau dem Gelände, das GPS zum Absturz bringt. Allein der Gotthard-Strassentunnel ist rund 17 Kilometer lang — ohne jedes Satellitensignal. Dazu kommen der San-Bernardino-, der Seelisberg- und der Vereinatunnel sowie unzählige kleinere Strassentunnel in fast jedem Alpenpass; eine einzige Bergüberquerung kann also mehrere Minuten blinde Navigation bedeuten. Auch tiefe, steilwandige Täler — das Lötschental, Teile des unteren Engadins, das Rhonetal unter hohen Felswänden — können die Position verschlechtern, selbst unter freiem Himmel, weil ein grosser Teil des Himmels vom Berg verdeckt ist.
Das hat nichts mit der Even G2 oder mit Even Realities zu tun. Die Kartenapp auf jedem Handy hatte diese Schwäche schon immer; die Brille zeigt lediglich an, was das Handy ihr — einen Schritt weiter entfernt — übergibt.
Was Offline-Karten wirklich lösen — und was nicht
| Problem | Heruntergeladene Offline-Karte |
|---|---|
| Keine Mobildaten / schwacher Empfang in einem abgelegenen Tal | Löst es — Route und Kartenkacheln sind schon auf dem Handy |
| Kein GPS-Satellitensignal in einem Tunnel oder einer tiefen Schlucht | Löst es nicht — das Handy sieht die Satelliten weiterhin nicht |
| Neuberechnung nach einer verpassten Abzweigung, offline | Kommt auf die App an — manche berechnen offline neu, manche nicht |
Allgemeines Verhalten von Smartphone-Navigation, keine Even-spezifische Messung. Testen Sie Ihre eigene Kartenapp, bevor Sie sich darauf verlassen.
Hier liegt der häufigste Denkfehler: Eine Offline-Kartenregion vor der Fahrt herunterzuladen ist wirklich nützlich und kostenlos — aber es löst das Daten-Problem, nicht das Satelliten-Problem. Es lässt keinen Hinweis mitten im Gotthardtunnel erscheinen. Es verhindert aber, dass Handy und damit auch Brille in einem Tal ohne jeden Empfang komplett schwarz werden, und lässt die Navigation sofort weiterlaufen, sobald wieder Signal da ist.
So bereitet man sich auf eine Bergfahrt oder eine lange Wanderung vor
- Laden Sie die Offline-Kartenregion für Ihre Route vor der Abfahrt herunter — sowohl Apple Maps als auch Google Maps erlauben das Speichern eines Gebiets im Voraus.
- Werfen Sie vor einem langen Tunnel einen Blick auf die nächsten Abzweigungen, damit ein eingefrorener Hinweis Sie nicht ratlos zurücklässt.
- Verlassen Sie sich auf unbekannten Alpenstrassen nicht allein auf den Hinweis im Display — wissen Sie ungefähr, wohin die Fahrt geht.
- Wenn Navigation in Funklöchern ein Hauptgrund für den Kauf ist, testen Sie es zuerst mit dem eigenen Handy in einem bekannten Tunnel in Ihrer Nähe — die Brille verhält sich genau wie das Handy.
Kaufen, verzichten oder zuerst testen?
Kaufen Sie mit gutem Gewissen, wenn Ihre Navigation hauptsächlich Alltagsfahrten in Stadt und Tal mit normalem Empfang betrifft — das ist der grosse Teil der Schweizer Strassen, und dort funktioniert es gut.
Stellen Sie die Erwartungen richtig ein, wenn Sie speziell durchgehende Führung durch lange Tunnel oder tiefe Alpenregionen brauchen — dort pausiert der Hinweis, unabhängig davon, welche Brille oder welches Handy Sie verwenden.
Zuerst testen ist hier der ehrliche Rat: Bringen Sie Ihr eigenes Handy in den Showroom Zürich und sehen Sie, wie sich «Navigate» verhält, oder vergleichen Sie in der KI-Brillen-Datenbank, wie andere Modelle mit derselben Einschränkung umgehen. Wenn Sie sich noch zwischen Modellen entscheiden, hilft unsere Kaufberatung bei der Abwägung.
Offenlegung: AI-Eyewear ist der autorisierte Schweizer Händler von Even Realities. Wir sagen Ihnen lieber jetzt, dass der Tunnel dunkel bleibt, als dass Sie es zum ersten Mal am Gotthard erleben.